Alleine Reisen

Deinen Freunden fehlt mal wieder die Zeit und das Geld? Dann verreise doch einfach alleine! Bei vielen meiner Freunde existierte diese Möglichkeit gar nicht. Als ich mich dazu entschieden habe, bekam ich sehr viel Respekt gezollt, aber gleichzeitig hat mich diese Tatsache auch etwas nachdenklich gemacht. Warum ist es so etwas besonderes bei uns? Alleine reisen ist mutig – ja! Aber es ist nicht ungewöhnlich oder gar unmöglich! Für mich war die Reise an sich eine große Sache, aber nicht die Tatsache, dass ich „alleine“ unterwegs war. Denn ich war nicht alleine..

Alleine bist du nur, wenn du dich dazu entscheidest

Alleine bist du nur, wenn du dich dazu entscheidest

Bei der Wahl meiner Reiseziele war auch entscheidend, dass eine Infrastruktur bezüglich Hotels vorhanden war. Wenn du dich entscheidest nur in Hotels zu übernachten, wirst du es schwierig haben andere Alleinreisende zu treffen. Das ist in Hostels sehr viel einfacher! Selbst wenn es dir schwerer fällt auf andere Leute zuzugehen, wirst du in einem Hostel keine Probleme haben mit anderen in Kontakt zu kommen. Zum einen verbindet ein gemeinsames Zimmer schon immer ungemein und zum anderen zeichnen sich viele Hostels durch eine Social Area aus. Meist ist das eine gemütliche Sitzecke, eine Bar, der Wifi-Hotspot oder ähnliches, wo sich die Leute ganz automatisch versammeln und man ins Gespräch kommt. Alles ist etwas unverbindlicher und freier. Wenn ich Zuhaue fremde Personen freundlich anspreche, werde ich zum Teil richtig erschrocken angeguckt, doch das ist in Hostels anders.

Du bist nicht die/der einzige Alleinreisende

Da mehr Leute alleine unterwegs sind, als du vielleicht denkst, suchen fast alle nach einer Begleitung für das nächste Essen oder die morgige Erkundungstour; Taxi-Preise sind günstiger, wenn man sie sich teilen kann; Ausflüge machen gemeinsam mehr Spaß und man hat immer jemanden, der mal ein Foto macht :) Es gibt genügend Gründe, nicht alleine zu bleiben. Du kannst dein eigenes Ding machen und wenn du lieber mit jemanden zusammen etwas unternehmen möchtest, wird sich schnell jemand finden! Natürlich war auch mal jemand dabei, bei dem ich schnell gemerkt habe- hey, passt einfach nicht. Aber dann sei so ehrlich und sag, dass du dich gerne wieder trennen möchtest und suche dir jemand anderes.

„Pass bloß auf dich auf!“

– Habe ich vor, schließlich würde ich auch gerne heile und gesund wieder Zuhause ankommen. Ein bisschen Vernunft gehört natürlich zum alleine Reisen dazu. Aber sind wir mal ehrlich: Zuhause doch auch. Dass man nachts nicht alleine durch die Straßen läuft, sich nicht dermaßen betrinkt oder mit anderen Mittelchen vollstopft, dass man nicht mehr weiß, wer man ist oder teure Gegenstände mit sich trägt ist eigentlich selbstverständlich. Gesunder Menschenverstand, ein wenig Vorsicht und Achtsamkeit sind gut und auch notwendig, aber alles andere ist zu viel. Wenn du von Einheimischen gesagt bekommst, dass du die Gegend meiden solltest, dann hör‘ auf sie und stell das nicht in Frage. In Zeiten von WhatsApp und Co. habe ich mich regelmäßig bei meiner Familie gemeldet, um ein kurzes Lebenszeichen von mir zu geben. Außerdem habe ich, wenn ich es schon vorher wusste, Bescheid gesagt, dass ich die kommenden Tage mal kein Internet haben werde. Dann braucht sich Zuhause niemand Sorgen machen ;)

Sei spontan und plane nicht zu viel

“The man who goes alone can start today; but he who travels with another must wait till that other is ready.” – Henry David Thoreau

Du wirst so viele neue Ideen bekommen, durch Empfehlung der anderen, dass du deine Pläne immer wieder ändern wirst. Sei also nicht zu festgefahren in deinen Vorstellungen und nutze deine Flexibilität. Du musst nicht auf die Zustimmung von jemand anderem Warten, sondern kannst selber entscheiden. Gefällt es dir gut, dann häng einfach noch eine Nacht dran. Fühlst du dich nicht wohl, dann zieh weiter.

Alleine Bus fahren

Alleine Bus fahren ist nicht schlimm. Wahrscheinlich bist du eh müde, so dass du einen Großteil der Zeit verschlafen wirst. Und ansonsten werden sicher andere Backpacker das gleiche Ziel haben und sich gerne mit dir unterhalten. Außerdem ist es immer spannend mit den Locals ins Gespräch zu kommen. Ein Lächeln überbrückt da auch so manche Sprachbarriere!

„Journeys are made by the people you travel with“

Dieser Spruch stimmt zu hundert Prozent. Menschen machen Erlebnisse aus und verändern die Wahrnehmung ungemein. Meine liebsten Plätze waren die, an denen ich neue Freunde getroffen habe. Als ich letztes Jahr in Indonesien ankam, waren wir schnell eine Gruppe aus Männern und Frauen, die sich entschieden haben eine geführte Tour zum Vulkan Mount Bromo zu machen. Der Vulkan war seine Strapazen auf jeden Fall wert! Die bestanden in diesem Falle nicht aus einem anstrengenden Aufstieg, sondern aus einer schier endlosen Busfahrt. Zum Glück haben mich drei Mädels so herzlich in ihre Runde aufgenommen, dass ich mir das Zimmer mit ihnen teilen konnte und sie selbst auf einen früheren Shuttle-Bus verzichtet haben, damit wir zusammen bleiben konnten. Diese Geste hat mich echt beeindruckt! Zwei von ihnen sind für ein Semester auf Bali geblieben, um dort zu studieren. Während meiner Zeit in Indonesien hatten wir ständig Kontakt und am Ende meiner Reise haben wir uns nochmal getroffen. Während die zwei in der Uni saßen, bin ich mit einem der Roller durch die Gegend gefahren und nach den Vorlesungen haben wir zusammen etwas unternommen oder auch nur ein bisschen am Strand gelegen.

Mir dir selber auskommen 

Koh Phi Phi View Point
Koh Phi Phi View Point

Natürlich ist es ganz normal, dass man nicht nur coole Leute trifft, mit denen man sofort auf einer Wellenlänge schwebt. Aber das gehört dazu. Sieh es doch einfach als Erfahrung und gucke, wie gut du mit dir selber auskommst. Es sieht dir niemand an, dass du gerade unfreiwillig alleine am Strand liegst, die Stadt erkundest oder einen frischen Frucht-Shake zu dir nimmst. Sieh die Situation etwas gelassener und freue dich über ein bisschen Zeit nur für dich. Irgendwann wird der Moment kommen, an dem du dich mit deinen Gedanken auseinandersetzen wirst- meistens gibt es ja einen Auslöser dafür, dass man seine Zelte abbricht und sich auf die Reise macht… Das mag anstrengend werden, aber an einem Ort weit weg von Zuhause wird dir das ganz bestimmt gelingen! Und das beste ist, dass du dich danach viel besser kennen wirst als vorher. Ich habe mittlerweile kein Problem damit, zuhaue alleine nach draußen zu gehen. Wen ich eine Runde Inliner fahren möchte und niemand Zeit hat, dann fahre ich eben trotzdem. Danach geht es mir viel besser und sonst säße ich womöglich mit schlechter Laune in meinem Zimmer und würde mich langweilen..

Das erste Mal wieder alleine war ich Zuhause

Zuerst wollten mich alle meine Freunde wiedersehen, doch nach ein paar Tagen voller Trubel kam der Moment, in dem ich alleine auf meiner Couch saß und mich langweilte. Ich war zwei Monate ständig umgeben von Menschen, habe mir Zimmer und zum Teil das Bett geteilt und saß nun alleine auf der Couch und wusste nichts mit mir anzufangen… Das schwierigste am Reisen ist eben die Rückkehr, doch es macht mir bewusst, dass ich zwei Monate „alleine“ gereist bin ohne alleine zu sein!


Was geht dir bei dem Gedanken durch den Kopf? Welche Erfahrungen hast du gemacht? Welche Bedenken hast du?

Schreibe mir doch einfach mal einen Kommentar :) 

 

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Hello und willkommen bei rucksackstudentin.de! :)
Ich bin Jana und eine absolute Weltenbummlerin. Mich plagt ein ständiges Fernweh, das mich immer wieder spontan in die Welt treibt.
Meer, Wellen, Berge, Abenteuer- ich zähle keine Länder, sondern die Erlebnisse!
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4 Replies to “Alleine Reisen”

  1. Hallo Jana,
    ein sehr sehr cooler und vorallem interessanter Bloq.
    Ich bin vor zwei Wochen selber von einem Indonesien backpacking trip wieder gekommen. Ich war auch „alleine“ dort, aber wie du sagst niemals richtig alleine.
    Ich hatte echt Probleme zuhause, alleine in meiner Wohnung zu sein. Schon merkwürdig wie schnell man sich an Hosteldorms gewöhnt :D
    Liebe Grüße
    Ela

    1. Hallo Ela :)

      Ja das stimmt! Ich bin auch immer wieder überrascht, mit wie wenig man einfach auskommt und wie schnell und offen Leute sind, wenn sie ihre Komfortzone verlassen :)
      Wo warst du denn in Indonesien?

      Liebe Grüße
      Jana

  2. Hej und hallo
    Habe ganz angetan deinen Bericht gelesen u ja, ich kann mir sehr gut vorstellen das es genau wie beschrieben ist. Einfach eine sensationelle Erfahrung ! Gut gemacht ! Aber leider kann man mit 50 + nicht mehr in hostels … Wenn es doch nur etwas ähnliches für fitte, agile, offene 50 + gäbe

    1. Hallo Dagmar :)

      Ja, das ist leider (noch) etwas schwieriger, aber ich glaube, dass viele 50+ -er langsam dahinter kommen und die Welt genauso sehen wollen.
      Aber ich habe mir mein Zimmer auch schon mit mutigen Reisenden geteilt, die das Durchschnittsalter deutlich angehoben haben! Es gibt sie also- und es werden immer mehr :)

      Ganz liebe Grüße
      Jana

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