Wanderung zum Pico del Teide

Teneriffa ist ein bisschen wie eine Wundertüte. Zunächst ist man überrascht, dass Teneriffa die größte der kanarischen Inseln ist und nicht Gran Canaria. Dann ist es die Vielfältigste und zudem beheimatet sie den höchsten Berg Spaniens. Der Vulkan Teide setzt sich mit seinen stolzen 3.718m (ja, die Zahl kann ich mittlerweile auswendig :D ) deutlich vom Rest der Insel ab. Wobei das eigentlich nicht ganz richtig ist, denn man sieht die Spitze von überall auf der Insel, doch durch die umliegenden Berge wirkt sie gar nicht mehr viel höher. Erst wenn man Richtung Puerto de la Cruz oder in den Teide Nationalpark fährt, kann man sehen, wie imposant dieser Vulkan Teide über der Insel thront.

Der Teide thront über Teneriffa

Klar, dass ich da rauf wollte/musste. Wenn ich den Mt. Rinjani auf Lombok, Indonesien, aufgrund einer Erkältung nicht besteigen konnte, dann sollte das bei 10 Monaten auf Teneriffa ja wohl kein Problem werden. Ich war mir nicht ganz sicher, was der größere Antrieb war, denn bisher habe ich von allen nur gehört, dass es schön, aaaaaber super anstrengend sei und sie es nicht nochmal machen würden. Wer mich kennt, weiß, dass Wandern nicht gerade meine größte Leidenschaft ist. Oder sagen wir mal so, ich gehe wandern, weil man meistens mit einem tollen Ausblick belohnt wird und das verspricht der Teide schließlich auch. Ich wollte also da hoch und es mir selber beweisen. Dennoch habe ich mir den Aufstieg fast bis zum Ende meines Aufenthaltes aufgeschoben, da im Winter auf dem Pico del Teide Schnee und Eis liegen und ich das umgehen wollte. Eine Frostbeule bin ich halt auch… :D

Der Blick vom Nationalpark auf den imposanten Vulkan Teide

Mit dem Teleférico del Teide zur Aussichtsplattform

Die meisten Besucher fahren mit der Seilbahn, dem sogenannten Teleférico del Teide, auf die Aussichtsplattform oben auf den Teide. Die Bahn fährt allerdings nicht immer – dazu später mehr.. Trotzdem macht es Sinn früh an der Talstation zu sein oder, wenn man noch einen Ausweichtag nutzen kann, die Tickets vorzubuchen. Ansonsten steht man sich dort die Füße in den Bauch. Zudem ist die Fahrt nicht das günstigste Vergnügen. Als Student der Universidad La Laguna bekommt man aber einen Einheimischenrabatt.

Genehmigung für den Pico del Teide

Aber wir haben uns fürs Wandern entschieden. Yuhuuu! Deswegen ist die Bahn ja eigentlich egal. Wer auf die Spitze des Vulkans hinauf möchte – also auf den Pico – der braucht eine Genehmigung dafür. Diese ist kostenlos, muss aber vorher beantragt werden, da dadurch die Besucherzahlen geregelt werden. Wer vor neun Uhr auf die Spitze möchte, der benötigt diese Genehmigung nicht. Wir haben uns entschieden den Sonnenaufgang vom Pico del Teide anzusehen und brauchten daher keine Genehmigung.

Rauf auf den höchsten Berg Spaniens

Ausgestattet mit neuen Wanderschuhen (natürlich noch nicht eingelaufen 🙄) Proviant, 4,5l Wasser pro Person, Sonnencreme, warmen Sachen, einer Stirnlampe und einer Menge Nervosität, haben wir uns zu zweit an den Aufstieg gewagt. Da wir den Weg nicht durchgängig im Dunkeln absolvieren wollten, haben wir uns dazu entschieden die Nacht im Refugio, einer Berghüte speziell für Wanderer, die den Sonnenaufgang vom Teide sehen wollen, zu verbringen. Die Hütte ist leider meistens schon Wochen vorher ausgebucht. Also am besten so früh buchen, wie möglich! Die Übernachtung hat ca. 24€ pro Person gekostet.

Der Einstieg

Mittags sind wir mit dem Auto zum Einstieg am Parkplatz Montaña Blanca auf ca. 2.350m gefahren, haben dort noch eine Menge Wasser getrunken und uns dann brav mit Sonnenschutz auf den Weg gemacht. Für die Wanderung sind in der Regel 4 Stunden angesetzt – wir haben aber gesagt, dass wir uns keinen Stress machen, uns Pausen gönnen und den Ausblick genießen und dadurch haben wir bis zum Refugio Altavista ein bisschen länger gebraucht.

Anfangs ging es noch ziemlich gemütlich nach oben

Nach 10 Monaten in Flip Flops (sie sind halt einfach mein bevorzugtes Schuhwerk, wenn man nicht eh barfuß laufen kann) waren neue Wanderschuhe nicht die beste Idee. Nach 10 Minuten habe ich die ersten Blasen an den Fersen gespürt, die uns zu unserer ersten „Pause“ gezwungen haben. Katy, die Freundin mit der ich zusammen gewandert bin, hatte zum Glück Pflaster und Taschentücher dabei, sodass ich alles verarzten konnte. Weiter ging es also. Wenn ich nach oben geguckt habe, war ich mir noch nicht so ganz sicher, ob ich die Idee, da jetzt hoch zu wandern wirklich gut fand. Aber immerhin hatten wir super Wetter und es war deutlich wärmer als noch im April. Im Juni konnte man ohne Probleme in kurzen Sachen wandern, während ich mich im April aufgrund der Höhe noch über meine Jacke gefreut hatte.

Ich hätte nicht gedacht, dass ich verschiedene Steine so schön finden würde :D

Der erste Teil des Weges war gut zu wandern und vom Anstieg her noch sehr gering. Ich hatte nicht gedacht, dass ich Steine so schön finden würde. Aber landschaftlich war die Wanderung wirklich cool! Vor allem hatte man einen tollen Blick auf Gran Canaria, La Palma und La Gomera. Und natürlich auf die Bergkette Teneriffas.

Über den Wolken :)

Nach knapp 6km wurde der Weg dann deutlich schmaler und vor allem steiler. Von weiter weg, hat man gar nicht erkannt, dass es dort weitergeht, sondern einfach nur einen Berg voller Steine gesehen. Langsam aber sicher habe ich auch gemerkt, dass die Luft ein wenig dünner wurde. Aber da waren wir mittlerweile auch auf 2.800m. Wir haben einfach nochmal ein Päuschen eingelegt, etwas gegessen und getrunken und dadurch dafür gesorgt, dass die Rucksäcke etwas leichter wurden. Ich muss sagen, ich habe das Gepäck auf meinem Rücken trotz gutem Rucksack schon ordentlich gemerkt. Naja und meine Blasen waren zu diesem Zeitpunkt auch nicht mehr die nettesten Begleiter, aber das konnte ich ganz gut ausblenden. Der Ausblick war es auf jeden Fall wert.

Bei dem Ausblick kann eine Pause mehr nicht schaden. Hinten kann man La Palma und La Gomera erkennen

Ich habe das Refugio mittlerweile aber auch herbei gesehnt, denn ich konnte langsam aber sicher nicht mehr so wirklich weiter. Meine Leiste hat angefangen weh zu tun – keine Ahnung woher das kam, aber es hat das nach oben gehen deutlich erschwert und die Kraft aus dem Bein genommen. Konditionell war die Wanderung ganz gut zu schaffen, aber diese Wehwehchen waren nervig! Wir haben immer Ausschau nach der Hütte gehalten und nichts entdeckt. Erst, wenn man quasi schon vor ihr steht, sieht man das Refugio. Dafür war die Freude umso größer. Wir sind gegen 17 Uhr angekommen, kurz bevor die Sonne hinter dem Berg verschwand und alles im Schatten lag und es dadurch schlagartig kalt wurde. Wir mussten kurz warten bis wir die Zimmer beziehen durften und haben uns im Warmen aufgehalten. Unser Timing war ziemlich perfekt, doch im Winter, wenn die Sonne schon früher auf der anderen Bergseite verschwindet, wäre ich früher los gewandert.

Refugio Altavista

Die Berghütte Refugio Altavista

Das Refugio liegt auf 3.260m Höhe und ist eine Berghütte für die Wanderer, die am nächsten Morgen auf den Pico del Teide möchten. In der Hütte gibt es Schlafsäle mit Betten – und warmen Bettdecken. Man braucht definitiv keinen Schlafsack. Ansonsten ist die Hütte sehr spartanisch ausgestattet – es gibt eine Küche mit zwei Mikrowellen und ein paar Töpfe, um Essen zu erwärmen oder Nudeln zu kochen. Allerdings gibt es keine Mülleimer, sodass man sich vorher genau überlegen sollte, was man mit hinaufbringt, denn den Müll schleppt man auch wieder hinunter. Vielleicht ist das gar nicht schlecht, um sich mal bewusst zu machen, wie viel Müll man vermeiden kann… ;) Ansonsten gibt es Toiletten und einen mehr als überteuerten Snack-Automaten mit Süßkram. Trinkwasser gibt es oben nicht! Es gibt einen Automaten, in dem man sich 0,5l Wasserflaschen für 3€ die Flasche ziehen kann. Also genügend Wasser mit hinaufnehmen, denn man merkt die Höhe dort oben. Wir hatten zum Glück nicht mit der Höhe zu kämpfen, doch es hingen viele Leute mit dem Kopf über der Kloschlüssel, weil sie die Höhenkrankheit bekommen hatten 😷 Viel trinken und nicht zu schnell aufsteigen hilft wahrscheinlich, aber garantiert auch nicht, dass man selber nicht daran leidet.

Eigentlich schlafe ich wie ein Baby und in meinem Zimmer kann eine Party gefeiert werden, ohne dass ich wach werden würde. Aber in der Nacht habe ich kein Auge zugetan. Ich glaube, ich war auch einfach ziemlich nervös vor dem letzten Teil des Aufstiegs. Um vier Uhr sind wir dann aufgestanden, haben alle Klamotten angezogen, die wir mithatten, die Stirnlampen aufgesetzt und haben uns langsam an den letzten Aufstieg gewagt. Auch wenn nur noch knapp 500 Höhenmeter vor uns lagen, wussten wir, das werden die Schwierigsten. Anfangs ging es noch von der Steigung, aber ich habe die Höhe jetzt deutlich beim Atmen gemerkt. Außerdem taten meine Blasen weh und viel schlimmer war meine Leiste, die mir die ganze Kraft aus meinem rechten Bein geklaut hat. Dadurch wurde es super schwierig das Bein anzuheben.. Immerwieder haben wir sportliche Leute gesehen, die sich übergeben mussten, was uns zum Glück erspart geblieben ist.

Dieser Sternenhimmel!

Wir sind dem Gipfel also Stück für Stück näher gekommen. Dabei haben wir immer mal wieder die Stirnlampen ausgemacht und den Sternenhimmel bestaunt! Wahnsinn!! Der Weg bis zur Bergstation des Teleféricos lässt sich ganz gut wandern, aber danach wurde es richtig hart!

Das letzte Stück auf den Pico del Teide

Der erste farbige Streifen lässt sich erkennen. Wir sind mittlerweile auf den letzten Metern und ziemlich am Ende durch die Höhe.

Das letzte Stück auf den Pico del Teide war am härtesten. Von der Bergstation des Teleférico war es eigentlich nur noch ein Klacks – das war gut zu wissen, denn der Weg war super steil und ich hatte das Gefühl bei der dünnen Luft gar nicht mehr atmen zu können. Alle zwei Schritte musste ich kurze Pausen einlegen, weil auch mein Magen langsam anfing sich bemerkbar zu machen. Katy und ich – Katy noch besser als ich – haben uns Schritt für Schritt nach oben gekämpft, gehofft vom Wind nicht heruntergeweht zu werden und konnten gar nicht glauben, als wir dann wirklich oben ankamen. Man sah schon den ersten farbigen Streifen am Horizont, aber bis die Sonne aufging hat es noch etwas gedauert. Wir haben versucht uns irgendwo windgeschützt hinzuhocken, denn der Wind war eisig. Das hat zwar eher weniger gut funktioniert, aber die Aussicht auf den Sonnenaufgang hat das wieder wett gemacht.

Der Himmel hat sich schon verfärbt – jetzt fehlt nur noch die Sonne. In den Wolken kann man Gran Canaria erkennen.
Warten auf die Sonne
Yuhu! Die Sonne kommt heraus :) Die beste Belohnung nach der Wanderung

 

Der längste Schatten der Welt

Der Schatten des Teides!

Nachdem wir alle windgeschützt den bunten Streifen am Horizont bestaunt haben und dann der Sonne entgegen gejubelt haben, wollten wir aufgrund der Kälte recht zügig wieder den Weg nach unten antreten. Auf der anderen Seite des Teides haben wir dann diesen gigantischen Schatten bestaunt. Angeblich soll es der größte Schatten der Welt sein. Ob das wirklich wahr ist – keine Ahnung, aber er wird sicherlich zu den größten und beeindruckendsten Schatten gehören. Falls es dafür ein Ranking gibt :D

Der Abstieg

Der Blick von oben nach unten. Ich war zwischendurch nicht so ganz schwindelfrei bei dem Ausblick :D

Runter ging es deutlich einfacher und schneller als rauf :D Zum Glück! Auf dem Weg nach oben, hatten wir schon Sorge, dass wir nicht wieder herunterkommen, weil der Weg einfach so steil war. Aber bei Tageslicht und dem Adrenalinschub war das eine unbegründete Angst. Zum Glück war wurde es im Windschatten des Berges auch wieder etwas wärmer. Wie viele andere Wanderer auch, hatten wir uns im Vorfeld dazu entschieden mit der ersten Bahn um neun Uhr wieder herunter zu fahren. Da wir gegen halb acht an der Bergstation angekommen sind, haben wir uns in die Sonne gelegt und den Ausblick und unseren Erfolg genossen.

Geschafft, aber glücklich! Jetzt muss nur noch der Teleférico fahren
Autsch! Die Blasen nach der Wanderung…

Gegen neun Uhr kam keine Bahn. Wir wurden so langsam alle ein wenig nervös, denn hinunter wollten wir eigentlich nicht wieder wandern. Dafür taten die Wehwehchen doch zu sehr weh. Gegen kurz nach neun fuhr eine Gondel nach oben und brachte ein paar Bauarbeiter nach oben. Wir durften allerdings immer noch nicht in die Gondel. Aus den Gesprächen hörten wir, dass es nicht sicher war, dass der Teleférico heute überhaupt fahren sollte. Es sollte zu windig sein. Oben war davon nichts zu spüren… Der Teleférico ist leider sehr oft gesperrt, weil es zu windig ist. Ob das bei dem Bau nicht bedacht wurde?! Naja, wir haben also angespannt gewartet. Irgendwann kam dann ein Mitarbeiter der Seilbahn nach draußen, den ich gefragt habe, ob wir denn herunterfahren dürften. Es wurde mit der Talstation diskutiert und nach langem hin und her durften wir die Gondel nach unten besteigen. Es war die einzige Fahrt an diesem Tag! Glück gehabt :) Von der Talstation haben uns ein paar andere Wanderer mit zu dem Parkplatz genommen, an dem unser Auto stand und dann ging es endlich wieder nach Hause. Fertig, aber ziemlich glücklich!

Ich kann es gar nicht glauben, heute morgen stand ich wirklich da oben!

 

Fakten

Länge der Wanderung: 10,76km pro Strecke

Höhenmeter: 1.400 Höhenmeter pro Strecke

Dauer: 4 Stunden (bis zum Refugio) + 2 Stunden (bei Nacht) bei langsamen Wandertempo mit Pausen

Was mitnehmen: Ausreichend Wasser (wir hatten jeder 4,5l und mussten dadurch nicht haushalten, was ganz gut war), festes Schuhwerk, Kopfbedeckung, Sonnenschutz, warme (leichte) Kleidung, Handschuhe, Stirnlampe, Essen (wenig Müll!), Kamera, gut sitzender Rucksack, gute Laune :)

Übernachtung: Berghütte Refugio Altavista – muss rechtzeitig vorgebucht werden!

Genehmigung: Wer nach 9 Uhr auf den Pico del Teide möchte, muss vorher eine Genehmigung beantragen. Zum Sonnenaufgang benötigt man diese nicht.

Schwierigkeit: Anspruchsvoll

Datum der Besteigung: 19.06.2017

Weiterempfehlung: Auf jeden Fall!

Das Höhenprofil der Wanderung zum Pico del Teide

 

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