Erfahrungsbericht: Erasmus in La Laguna an der ULL auf Teneriffa

10 Monate Teneriffa liegen hinter mir. Das Leben in Deutschland hatte mich schneller wieder als mir lieb war und Teneriffa fühlt sich an, wie ein anderes Leben. Das Leben in Bonn ging einfach weiter und ich konnte ohne mit der Wimper zu zucken einfach wieder einsteigen, als wäre ich gar nicht weggewesen. Ob das jetzt gut oder schlecht ist, weiß ich selber nicht so genau. Nach einem Monat wird das Meerweh aber immer größer und ich freue mich darauf, bald nach Frankreich zu fahren und wieder in die Wellen zu kommen :)

Teil des Erasmus-Vertrages ist es, nach seinem Auslandsaufenthalt einen Erfahrungsbericht zu schreiben. Da ich diese Berichte sehr hilfreich fand, lade ich meinen Bericht hier auch hoch – in der Hoffnung, dass es den nächsten Outgoings weiterhilft :)

Vorbereitung

Ich habe mich schon recht früh in meinem Studium dafür entschieden ins Ausland zu gehen und hatte Teneriffa auf meiner Erasmus-Wunschliste ganz oben stehen. Daher hatte ich versucht, die Kurse in meinem zweiten Fach, Germanistik, schon im Vorfeld alle zu belegen, damit ich die restlichen Kurse der Medienwissenschaft im Ausland absolvieren kann.

Der Blick auf den Strand Las Teresitas, Santa Cruz de Tenerife

Die Bewerbung musste ich im Dezember 2015 für das Wintersemester 2016/17 abgeschickt haben. Die Zusage für bekam ich Mitte Februar. Die restlichen Vorbereitungen waren recht überschaubar und beliefen sich größtenteils auf Formulare ausfüllen. Außerdem muss man ein Learning Agreement mit seinen Kursen erstellen. Unsere Uni hat da eine ziemlich gute To-Do-Liste auf ihrer Homepage gehabt, an der ich mich einfach orientiert habe.

Spanisch-Kenntnisse

Für Teneriffa braucht man ein Sprachniveau von mindestens A2, was bei mir aber nicht durch einen Test nachgeprüft wurde. Es empfiehlt sich aber mit einigermaßen vorhandenen Spanisch-Kenntnissen dorthin zu gehen, da die Uni komplett auf Spanisch ist und fast keiner der Dozenten oder Kommilitonen Englisch spricht. Ich hätte mir deutlich mehr Spanisch-Vorkenntnisse gewünscht!

Da die Website der Uni recht unübersichtlich ist, habe ich mich schwer getan, die passenden Kurse auszuwählen. Das Erstellen des Learning Agreements war trotzdem recht problemlos und man kann die Kurse vor Ort auch noch anpassen und ändern. Das habe ich auch in Anspruch genommen, da sich die Zeiten zum Teil geändert hatten und mir in einem Fach die Dozentin überhaupt nicht zugesagt hat.

Anreise

Die Anreise nach Teneriffa ist super einfach, da Teneriffa Süd von vielen deutschen Flughäfen günstig und direkt angeflogen wird. La Laguna liegt direkt am Flughafen Teneriffa Nord, doch der wird nicht von Deutschland aus angeflogen. Vom Flughafen Süd kann man problemlos mit dem Bus erst nach Santa Cruz (Linie 111 bis zur Endhaltestelle Intercambiador Santa Cruz) von dort weiter zum Intercambiador La Laguna (Linie 15, 101, 102, 105) fahren. Für die Busse gibt es so genannte BONO-Tickets, mit denen man einiges an Geld spart. Das Ticket musst du schon vorher am Flughafen kaufen; ohne das Bono kostet die Fahrt ca. 10€.

Wohnung / WG

Das war mein Zimmer in La Laguna. Es war deutlich helle rund größer als die meisten anderen Zimmer.

Die Mieten in La Laguna sind deutlich günstiger als in Bonn. Im Vorfeld hatte ich in anderen Erfahrungsberichten gelesen, dass man eine Wohnung besser erst vor Ort sucht und das würde ich genauso empfehlen. In entsprechenden Facebook-Gruppen oder auf der Webseite Milanuncios findet man ein großes Angebot an WG-Zimmern (Piso compartido). Häufig bevorzugen die Mieter Studenten, die für zwei Semester bleiben, da im Sommersemester weniger neue Studenten nach Teneriffa kommen. Und oft hatten die Männer auch einen Nachteil bei der Wohnungssuche, aber es hat jeder etwas vernünftiges gefunden. Der Wohnstandard hier ist viel einfacher als in Deutschland – oft haben die Zimmer nur winzige oder zum Teil gar keine Fenster, was mich total gestört hat. Am Zentralsten wohnt man direkt im Stadtzentrum, an der Trinidad oder im Feierviertel Cuadrilátero. Ich habe ein Stückchen den Berg hinauf in El Coromoto gewohnt, was etwas ruhiger war, aber dafür hatte ich ein Fenster, eine Dachterrasse und Platz um mein Surfboard und Fahrrad abzustellen. Einige haben es bevorzugt in Campus-Nähe zu wohnen, doch wie sich herausgestellt hat, war das meist doch etwas abgelegen. Ein paar Erasmus-Studenten haben auch in Santa Cruz gewohnt, da es dort immer wärmer ist und sind dann mit der Bahn oder der Tranvía zur Uni gefahren. Die Städte sind gut miteinander verknüpft, aber das Studentenleben findet in La Laguna statt. Ein paar Surfer sind dagegen in das ruhige Bajamar gezogen, doch hier ist die Bus-Anbindung nicht so gut, dass ein Auto oder ein Motorrad eine gute Anschaffung ist.

Im Winter wird es in La Laguna recht „kalt“: 14° Grad sind hier normal und die Häuser haben keine Heizung. Deswegen habe ich einen kleinen Heizlüfter gekauft, der im Winter quasi mein bester Freund war.

Nach der Ankunft

Nach der Ankunft muss man in das Erasmus-Büro in der Calle Viana 50 gehen und sich dort einen Termin für den nächsten Tag holen – egal, wie früh man am Morgen kommt. Wenn man seinen Mietvertrag hat, muss man in das Ayuntamiento, um sich dort anzumelden und anschließend zur Polizei, um seine NIE zu beantragen. Die NIE ist quasi der spanische Ausweis und erst mit dem kann man sich in der Uni immatrikulieren und seine Bescheinigungen für Vergünstigungen (auf Fähren und Flüge innerhalb Spaniens bekommt man 50% und für einige Attraktionen auf der Insel bekommt man auch Rabatt). Bis man seine NIE und schließlich seinen Studentenausweis in den Händen hält, dauert es eine Weile, da man recht viele Rennereien hat und die Ämter meistens nur bis mittags aufhaben. Erst nachdem man immatrikuliert ist, kann man sich auch in dem Uni-System anmelden. Also sollte man das recht schnell erledigen. Außerdem bekommt man die Busfahrten als Student vergünstigt – denn die läppern sich mit der Zeit schon etwas, wenn man viel auf der Insel unterwegs ist und nicht nur in La Laguna bleibt.

Studium an der Universidad de La Laguna (ULL)

Das ist das Gebäude der Faculdad Periodismo am Campus Guajara. Den Blick auf das Meer und die Berge fand ich jeden Tag aufs neue super! :)

Der Campus der Universidad La Laguna (ULL) erstreckt sich über die ganze Stadt und hat drei Hauptstandorte. Der Campus Guajara liegt etwas außerhalb, den Berg hinab, kann aber problemlos mit der Tranvía oder dem Fahrrad (ich bin rauf dann oft wieder mit der Bahn gefahren, denn es geht von der Innenstadt schon ein ordentliches Stück hinab) erreicht werden. Periodismo hat seinen Sitz in einem Gebäude, das die Form einer Pyramide hat. Das Gebäude ist ziemlich neu und gut ausgestattet. Die Immatrikulation ist allerdings im Gebäude Derecho auf der anderen Straßenseite. Der spanische Bachelor (Grado) ist in vier Jahre unterteilt, die wie in Schuljahren und Halbjahren unterrichtet werden. Jedes Jahr hat seine feste Klasse und einen Stundenplan, der pro Halbjahr wechselt. Als Erasmus-Student kann man die Kurse aus allen Jahren auswählen, muss aber gucken, dass sich die Kurse nicht überschneiden. Ein Kurs besteht in der Regel aus Theorie und Praxis, die meist bei verschiedenen Dozenten unterrichtet werden. Insgesamt ist die Uni sehr verschult. Man hat fast jede Woche Hausaufgaben auf, Anwesenheitspflicht und viele Gruppenarbeiten. Die Endnote setzt sich dann aus der Theorie-Note, der Praxis-Note, Anwesenheit, meist einem Projekt und einer Klausur zusammen. Die Kurse sind alle auf spanisch und es ist sehr von den Dozenten abhängig, in wie weit diese einem bezüglich der Benutzung eines Wörterbuches in der Klausur, Zeit oder generellen Hilfestellungen entgegenkommen. Das Niveau ist nicht sehr hoch, aber dadurch, dass alles auf Spanisch ist und man sehr viele Aufgaben zu erledigen hat, auch wenn diese oft gefühlt mehr der Beschäftigung dienen, ist man gut ausgelastet. Mein Koordinator war sehr hilfsbereit und ich hatte keine Probleme, doch anderen Studenten aus anderen Fakultäten wurden manches Mal ein paar Steine in den Weg geworfen.

Das ist das Gebäude Hauptbibliothek am Campus Guajara. Und das beste daran sind die Palmen auf dem Gelände :)

In meinem Wintersemester hatte ich einen Kurs aus dem 1. Jahr, Inglés para Periodistas, einem aus dem 3. Jahr, Ciberperiodismo, und einen Kurs aus dem 4. Jahr, Periodismo turistíco y de Viajes. Der Kurs aus dem ersten Jahr ist der einzig englische Kurs, doch das Sprachniveau ist dermaßen niedrig, dass ich mich ziemlich gelangweilt habe… In meinem Kurs Ciberperiodismo ist die Dozentin aus gesundheitlichen Gründen nach der Hälfte des Semesters nicht mehr gekommen, wodurch wir nach einiger Zeit eine Vertretung bekamen. Die Klausur wurde daraufhin noch nach vorne verschoben und der Prof aus den Prácticas war dermaßen unfreundlich und Anti-Erasmus eingestellt, dass ich keinen weiteren Kurs mit diesem Prof gewählt habe. Der Kurs aus dem vierten Jahr hätte definitiv interessanter gestaltet werden können, man hatte recht viele Aufgaben abzugeben, doch der Prof hat die Sprachbarriere nicht negativ bewertet und die Note am Ende war ganz gut.

Im Sommersemester hatte ich am Ende nur zwei Kurse, da ich alles weitere schon in Bonn bestanden hatte und stattdessen einen Sprachkurs gemacht habe und die Zeit auf der Insel genossen habe. Die Kurse Comunicación Audiovisual und Tecnología de Comunicación Audiovisual waren beide sehr praxisorientiert. Man hat Radio- und Fernsehbeiträge erstellt und aufgenommen und einen guten Einblick von der Technik und dem Drumherum bekommen. Auch wenn der Theorie-Dozent aus dem Technologie-Kurs immer in seiner eigenen Welt war und keine klaren Ansagen gemacht hat, war der Prof aus den Praxis-Kursen so gut, dass ich den Kurs trotzdem sehr empfehle.

Sprachkurs

Die Uni bietet einen Sprachkurs für verschiedene Niveaus an, doch der Kurs wurde von niemandem empfohlen und alle, die ihn gemacht haben, waren eher genervt und enttäuscht. Man zahlt für den Kurs und hat ca. einen Monat lang zwei Mal die Woche je drei Stunden Unterricht. Das ist einfach zu viel am Stück. Ich hatte stattdessen, wie ein Großteil der Erasmus-Studenten, bei Dracma einen Spanisch-Kurs gemacht. Dort ist man immer nur zu dritt und kann die Stunden flexibel nehmen. Allerdings sollte man hier schon ein paar Vorkenntnisse mitbringen, da sie in der Grammatik aufgrund der wechselnden Gruppen so manches Mal etwas springt. Der Kurs war aber gut und hat mir auch geholfen. Für neun Stunden habe ich 70€ bezahlt; nach zwei Einheiten (á 9 Stunden) bekommt man ein Zertifikat mit seinem Sprachniveau.

 

San Cristóbal de La Laguna

Der Blick auf den Plaza de la Concepción in La Laguna

La Laguna ist eine wunderschöne Studentenstadt mit vielen sehr urigen Cafés, Studentenkneipen, einer mehr als bunten und fröhlichen Altstadt, die sogar zum UNESCO Weltkulturerbe gehört, umrandet von den Bergen des Anaga-Gebirges und bietet oft sogar einen Blick auf die Nachbarinsel Gran Canaria. Obwohl die Stadt nicht direkt am Meer liegt und es hier wirklich immer sehr viel kälter ist als an der Küste, wir nennen La Laguna auch liebevoll Alaska oder Sibirien, kann man La Laguna nur mögen. Die Stadt ist durch die vielen Studenten sehr jung und lebhaft. Es ist immer etwas los, die Leute sitzen in Cafés, machen Musik, unterhalten sich und genießen das Leben. Die Stimmung ist wirklich toll. Außerdem gibt es hier nur wenig Touristen und wenn, dann sind es Tagesausflügler. Im Viertel Cuadrilátero gibt es Bars, Kneipen und Clubs, die am Wochenende immer gut besucht sind.

Teneriffa 

Teneriffa ist die größte der kanarischen Insel und definitiv auch die Vielfältigste. Wem hier langweilig wird, der weiß sich einfach nur nicht zu beschäftigen! Die Insel wird von einer bzw. mehreren Gebirgsketten durchzogen und ist dadurch sehr bergig. Der Vulkan Teide, der mit seinen 3.718m übrigens auch der höchste Berg Spaniens ist, ist von fast überall aus zu sehen. Die Landschaft Teneriffas ist mehr als vielfältig: Schwarze Vulkansandstrände, raue Küsten, grüne, verwunschene Wälder, Mondlandschaften, kleine Bergdörfer, Touristenhochburgen.

Das Bussystem Titsa ist recht gut ausgebaut und man kommt mit dem Bus eigentlich überall hin – aber man braucht etwas Zeit und Geduld! Spanien halt… Die Mietwagen sind zum Glück mehr als günstig, so dass man sich für den ein oder anderen Roadtrip am besten ein Auto ausleiht. Der günstigste Anbieter mit Vollkasko ist Autoreisen ab 23 Jahren und der größte Anbieter mit ähnlichen Konditionen ab 21 Jahren ist Cicar. Ansonsten kann man noch bei AutoTopCar und PlusCar schauen.

Im Winter kann es im Norden schon recht kühl werden, doch im Süden ist es immer noch recht mild, dass man mit Glück auch den ein oder anderen Strandtag im Winter einlegen kann.

Surfen

 

Wenn du schon surfen kannst, dann ist die Insel auf jeden Fall mehr als ein Traum. Bajamar ist der Spot in der Nähe und hat eine tolle Welle, die aber auch recht voll werden kann. Wenn du wie ich, noch nicht wirklich surfen kannst, dann kannst du hier zwar auch surfen, aber dir sollte bewusst sein, dass es hier nicht wie in Frankreich oder Portugal lange, breite Sandstrände mit Sandbänken und anderen Anfängern gibt. Die meisten Spots sind Riff-Breaks. In Puerto de la Cruz und in Las Américas kann man sich recht günstig Surfboards (ca. 15€ inkl. Neo) ausleihen, sonst benötigt man sein eigenes Brett. Da La Laguna in den Bergen liegt fährt man immer ein Stückchen zum Wasser – wenn es nicht gerade Bajamar ist – so dass mal eben Surfen gehen, immer etwas umständlicher ist. Aber wo ein Wille, da ist auch ein Weg!

Fazit 

War geil! Nein, im Ernst, die 10 Monate, die ich auf Teneriffa verbringen durfte, zählen definitiv zu meinen schönsten und abenteuerreichsten Zeiten. Die Uni war so manches Mal mehr als unorganisiert und unkooperativ, doch vor allem in meinen Kursen im Sommersemester habe ich sehr viel Praxiserfahrung sammeln können. Glücklicherweise hat die Uni nicht den Großteil meiner Zeit eingenommen, so dass ich die Insel in vollen Zügen genießen konnte und mittlerweile wirklich jeden Strand, die meisten Wanderrouten und Surfspots (zumindest vom Land aus) kenne. Es gibt wenig organisierte Aktionen oder Partys, aber da ich sowieso lieber unterwegs war, war ich abends auch einfach oft zu müde zum Feiern. Man lernt sich in den ersten Wochen aber recht schnell kennen und organisiert dadurch eigene WG-Partys auf den verschiedensten Dachterrassen (Pulli nicht vergessen!), feiert in der Stadt, erkundet Teneriffa, entspannt am Strand oder reist gemeinsam auf die anderen Inseln. Aber Vorsicht, es wird leider recht viel geklaut und es werden gerne Mietwagen aufgebrochen – also immer nur das Nötigste dabei haben.

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Ich bin Jana und eine absolute Weltenbummlerin. Mich plagt ein ständiges Fernweh, das mich immer wieder spontan in die Welt treibt.
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